"November Gate", 1989

von Ouhi Cha

Öl/Lw, 100 x 100 cm

Holzrahmen, 105,5 x 105,5 cm

Provenienz: Ouhi Cha, Berlin, 1990

Preis auf Anfrage

Wir glauben, alles über den Fall der Mauer im November 1989 zu wissen. Doch wer weiß, wie Menschen aus Korea diesen Fall erlebt haben? Menschen, deren Land 1948 in Nord- und Südkorea geteilt wurde und die vielfach bis heute auf eine „Wiedervereinigung“ warten. Ouhi Cha, 1981 als Künstlerin nach West-Berlin gekommen, gehört zu jenen, die diesen Umsturz nicht nur hautnah mitempfunden, sondern auch auf ganz besondere Weise künstlerisch begleitet und kommentiert haben. Sie erlebte die „Wende“ als Glücksmoment für die Deutschen, als Hoffnung für sich selbst, verbunden mit einem gehörigen Portion Trauer, wenn sie an die aktuelle Situation im Land ihrer Herkunft dachte. Direkt vor dem Brandenburger Tor freute sie sich mit Tausenden Unbekannten aus Ost und West über die Wiedervereinigung. Direkt vor Ort klopfte sie als „Mauerspecht“ zahlreiche Betonstücke von der Mauer ab, um sie später in ihren Werken als Zeugnisse für dieses weltbewegende Ereignis zu gebrauchen.

„November Gate“ ist eines der ersten Bilder, die Ouhi Cha voller Kraft und Enthusiasmus nach dem Fall der Mauer gemalt hat. Schon zuvor hatte die Künstlerin Werke geschaffen, die sich durch ihre expressive Handschrift auszeichneten, die jedoch zugleich als „Hymnen an die Energie der Vorstellungskraft“ (Joachim Sartorius) ihre Bedeutung entfalteten. In diesen Bildern zum Mauerfall aber scheinen die ungestümen Pinselstriche als Leidenschaft pur auf der Leinwand gelandet zu sein. Allein die hellgrau-weißen Striche neben und unter dem Schriftzug „November Gate“ oder die dunkelgrau-gelben, einem Hügel gleichenden Spuren am unteren Bildrand zeugen von einer ungeheuren Wucht und dem Chaos eines Ausnahmegeschehens. Doch beim näherem Hinsehen differenziert sich das Gemälde zu einem mannigfachen Kunstwerk, das nie zu Ende gelesen werden kann.

"November Gate", 1989