
von John Takawira
Bildhauer aus Simbabwe
Black Serpentine, 25,5 x 14 x 21 cm, 4 kg
Provenienz: Gallery Watatu, Nairobi, Kenia 1988
Preis auf Anfrage
Als ich 1986 die Gallery Watatu in Nairobi betrat, fiel mir sofort eine tiefschwarze Steinskulptur auf – ganz anders als die sonst üblichen, hellen Specksteinfiguren. Ihre vollkommene Form und schillernde Schwärze im weißen Raum der Galerie faszinierte mich. Ruth Schaffner, die Galeristin, nannte den Künstler: John Takawira, einer der angesehendsten Bildhauer Simbabwes. Damals war er bekannt für symbolträchtige Skulpturen wie „Skeleton Baboon“ oder „Spiritual Ladies“, mit Anklängen an den Shona-Glauben.
Mit „Abstract“ erweiterte er sein Repertoire um die offene autonome Form. Vermutlich wies der Serpentin schon die heutige Grundgestalt auf, doch Takawira gab ihm Stand, Richtung und Ausdruck. Er polierte das Rohmaterial, schliff Kanten und Flächen, bis sich eine spannungsvolle, fast tänzerische Figur zeigte – eine Form, die sich zugleich hebt und entzieht, schwebt und verschwindet.
Was mich bis heute an diesem Werk fesselt, ist seine stille Kraft. Es stellt nichts Konkretes dar, ist kaum bearbeitet – und dennoch: Die wenigen Eingriffe, die Schliffe und weichen Übergänge sowie die sanft zugespitzte nach oben drängende Form evozieren Leben und Energie – ähnlich einem Kiesel, der durch Hand und Blick des Menschen Bedeutung erhält.
Autor: Michael Drechsler