
von Munya Victor Madzima (King of Spoon)
Bildhauer, Simbabwe / England
Black Serpentine, Holz, 50 x 17 x 13 cm
Provenienz: Munya Victor Madzima, Harare, Zimbabwe 1996
Steinzeitdelikatessen
„... Und
hier sehen Sie ein besonders interessantes Exponat aus der Jungsteinzeit.
Bitte nicht berühren. Es handelt sich bei dieser Skulptur um einen
versteinerten Wisentpenis, der mehrfach abgebunden wurde. (Bondage würde man
heute sagen.) Abgebunden und eingebunden in zwei Wollmammutschamlippen. Am
oberen Ende der Plastik fixiert ein Knochen Erektion und Vulva. Ein Stück der
männlichen Scham bildet den Sockel des Objekts.
Bei diesem Artefakt handelt es sich nicht etwa um eine ausgedachte Formation. Nein, wie wir mittlerweile aus gesicherter Quelle wissen, imitiert dieses Gebilde den grausam inszenierten Geschlechtsakt der beiden Urviecher, die in einem Ritual von ihren Peinigern gequält und schließlich getötet wurden. Dies half den ersten sesshaft gewordenen Bauern ihre sadistischen Phantasien auszuleben. Zudem stand am Ende des Aktes eine deliziöse Schlachterplatte. Die sogenannte Wiwurz: eine Fleischspezialität, laut Überlieferung von unvergleichlicher Zartheit... wohl, weil auf dem Höhepunkt der Lust vom Körper getrennt.”
Autorin: Uta Jugert
Uta Jugert ist Kommunikationsdesignerin und Schreibpädagogin und arbeitet als freie Art-Direktorin und Dozentin an der Berliner Technischen Kunsthochschule. Sie ist Autorin der Texte zu den Kunstwerken der Monate August 2012 und Januar 2013. Der Text von Uta Jugert ist während einer Schreibaktion in den Räumen von Kunst Transit Berlin entstanden. Mit einem Augenzwinkern entfaltet die Autorin frei flottierend ihre Phantasie zu dem phantasmagorischen Kunstwerk Madzimas. Ihre Interpretation der „Human Pupa“ gleicht einem Spiel mit der Idee der Metamorphose, die der Bildhauer in Stein geformt hat.